Handaufzucht von Kitten


Mutter ist die Beste.
Doch manchmal bleibt dem Mensch nichts anderes übrig,
als die Mutterrolle der Katze zu übernehmen.

Entweder wenn die Katzenmama erkrankt oder bei der Geburt stirbt oder als Erstgebärende zu unerfahren ist für Mutterpflichten. Manchmal ist aber auch der Wurf schlichtweg zu groß für die Mutterkatze. In solchen Fällen muss der Besitzer eingreifen und eins oder sogar mehrere Katzenkinder versorgen. Eine schwere Aufgabe, denn neugeborene Kätzchen sind blind, können ihre Körpertemperatur nicht regulieren und brauchen alle zwei Stunden Nahrung. Wie bei einem Menschbaby auch.

 

Selbst bei der Verdauung sind sie auf Hilfe angewiesen. Die beste Lösung ist, eine Amme zu finden, damit sie die Babys als Ersatzmutter aufzieht. Auskunft, wo eine Katze gerade Mutter geworden ist, die dafür in Frage kommen könnte, geben Zuchtvereine, Züchter, Tierheime, Tierschutzvereine und Tierärzte. Auch das Internet ist eine gute Adresse, um eine Amme ausfindig zu machen.

 

Das Wichtigste was jedes Babykätzchen als erstes braucht ist Wärme, Wärme und nochmals Wärme.

 

Am Besten ist ein Heizkissen (nur auf Stufe 1 stellen!) oder eine Wärmeflasche. Ist beides nicht zur Hand füllen sie einen Einweghandschuh mit ca. 35 Grad warmem Wasser auf umwickelt mit einem Handtuch und legen das Kleine darauf.

 

Eine sichere Unterbringung für die Kleinen ist eine stabile Transportbox, grade auch wenn sie noch andere Tiere im Haus haben, die neugierig und unbedacht an das Kleine wollen (selbiges gilt auch für übermütige Kinderhände).

Für Katzenbabys über 5 Wochen sollten Sie einen kleinen Raum zur Verfügung stellen. Darin sollte sich ein Katzenklo, Futter, Wasser und Kuschelmöglichkeiten befinden. Lassen Sie das Tier nicht durch Ihre gesamte Wohnung flitzen.

 

Bedenken Sie, das Kleine hatte grade genug Stress hinter sich und hat ihn noch immer, denn alle Gedanken kreisen sich bei einem Baby um die Frage: Wo ist Mama? Nur deshalb maunzt es vermutlich. Das Baby weiß nicht, dass sie es retten und versorgen wollen, also machen sie ihm nicht noch unnötigen Stress. Legen sie es auf oder ins Warme und lassen Sie es dort erst einmal in Ruhe. Das Baby wird, wenn es warm wird, sich meist recht schnell beruhigen, oft hilft noch das Abdecken der Unterbringung mit einem Handtuch oder einer Decke.

 

Ist es Hochsommer und sie haben gleich einen ganzen Wurf kleiner Katzen (ab drei Tiere) brauchen sie oft nur eine Wärmemöglichkeit bei Babys unter 14 Tagen, da die Kleinen sich an heißen Tagen miteinander wärmen. Trotzdem sollte in der Nacht eine Aufwärmmöglichkeit vorhanden sein. Liegen die Babys in größerem Abstand in ihrem Kistchen ist es ihnen dort zu warm und sie sollten das Heizkissen ausstellen. Liegen sie eng aneinander gekuschelt und sind ruhig ist alles in Ordnung.

 

Solange sich ein Katzenbaby kalt anfühlt und dadurch eindeutig unterkühlt ist darf es keinerlei Nahrung erhalten !!

 

Es wird sich verschlucken, da der Schluckreflex während einer Unterkühlung außer Kraft gesetzt ist. Sie können vorsichtig versuchen dem Baby ein wenig Traubenzucker, also Energie zuzuführen. Lösen Sie dafür ein klein wenig Traubenzucker in Wasser oder Tee auf und versuchen Sie dem Baby ein oder zwei Tropfen auf die Zunge zu träufeln. Notfalls alle halbe Stunde wiederholen.

ACHTUNG: Das Baby darf sich nicht verschlucken!!! 

Wenn es nicht einmal mehr vor lauter Entkräftung oder Kälte schlucken kann wärmen Sie es erst weiter auf und versuchen Sie es später noch einmal. Erst mindestens ein bis zwei Stunden das Baby aufs Warme legen und warten. Wenn sie richtig warm sind schlafen sie meist und machen einen zufriedenen Eindruck. Nun zeigt das Baby meist auch einen Schluckreflex, wenn man ihm einen Tropfen Milch, Traubenzuckerlösung oder Tee ins Mäulchen gibt.

 

Schreit Baby nach dem Fund noch mit kräftiger Stimme nach Mama und fühlt sich warm an stehen die Chancen, dass es auch hungrig ist gut und Sie können gleich mit der Fütterung beginnen.

 

Das Tränken der Kleinen muss unbedingt in Bauchlage passieren, denn ein verschlucken kann tödlich enden!!

 

Ersatzmilch gibt es beim Tierarzt

Die benötigte Ersatzmilch bekommen Sie vom Tierarzt
(Viele Tierärzte/Tierkliniken haben Notdienste für Nachts und am Wochenende eingerichtet)
und lässt sich von ihm die Fütterungstechnik mit Nuckelfläschchen oder,
falls nötig, Magensonde zeigen.

Es gibt verschiedene gute Produkte mit ähnlicher Zusammensetzung, die auf die Bedürfnisse der Katzenwelpen abgestimmt ist. Wie die Ersatzmilch zuzubereiten ist, steht auf der Verpackung, und an diese Angaben sollte man sich unbedingt halten.

 

Wenn Sie Milchpulver benutzen, das mit abgekochtem, heißem Wasser angerührt wird, achten Sie darauf, dass sich beim Anrühren keine Klümpchen bilden. Selbst winzige Klümpchen können Verdauungsprobleme zur Folge haben.

Um sicherzugehen, können Sie die Milch durch ein feinmaschiges Sieb filtern. Zum Trinken muss die Milch Körpertemperatur haben (Wangentest). Optimal zum Füttern sind die speziell für Katzen hergestellten Fläschchen mit Gummisauger. Die Öffnung des Saugers darf nicht zu groß sein, aber auch nicht zu klein, sonst macht das Trinken zu viel Mühe. Und natürlich müssen die Saug-Öffnungen mit dem Kätzchen „mitwachsen“.

 

Nach jeder Mahlzeit muss eine Massage erfolgen

Anfangs bekommt der Säugling alle zwei bis drei Stunden das Fläschchen.

Ab der 3. Woche werden die Abstände zwischen den Milchmahlzeiten tagsüber allmählich verlängert. Natürlich nur dann, wenn das Kätzchen gut trinkt und sein Geburtsgewicht innerhalb von 8 bis 10 Tagen etwa verdoppelt hat.

 

Das Beste ist, Sie führen ein Gewichtsprotokoll. Nach jeder Mahlzeit folgt in den ersten beiden Lebenswochen eine Massage des Bauches (in Richtung Darmausgang) und der Analregion. Die Mutterkatze stimuliert den Urin- und Kotabsatz, indem sie mit der Zunge diese Bereiche leckt. Als Pflegemutter nehmen Sie dafür einen feuchten Wattepad. Wenn das Kätzchen vier Wochen alt ist, können Sie ihm die ersten Bissen fester Babykost anbieten.

  

Fütterungsplan

• 1. und 2. Woche: Fläschchen um 0, 2, 4, 6, 8, 10, 12, 14, 16, 18, 20 und 22 Uhr geben.

• 3. Woche: Fläschchen um 0, 3, 6, 9, 12, 15, 18 und 21 Uhr geben.

• 4. Woche: Fläschchen um 0, 4, 8, 12, 16 und 20 Uhr geben.

• 5. Woche: Fläschchen um 0 Uhr, Nassfutter um 8 Uhr, Fläschchen um 14 Uhr und Nassfutter um 20 Uhr geben

• 6. und 7. Woche: Fläschchen nur noch bei Bedarf geben, wenn z.B. ein Kätzchen nicht gut frisst. Nassfutter morgens, mittags und abends geben.

• Ab der 8. Woche: Nassfutter morgens und abends geben.

 

Entwicklungsphase

In der ersten Tagen besteht der Tagesablauf der Kitten aus Trinken und Schlafen. Schlafende Katzenkinder sollten übrigens nicht geweckt werden, da sie wie alle Säugetiere in den Schlafphasen wachsen.

 

Gesunde Kätzchen nehmen etwa 100 Gramm pro Lebenswoche zu. Die Kontrolle des Gewichtes ist eine wichtige Aufgabe des Besitzers, denn so kann er schnell reagieren, wenn eines der Kitten nicht wie erwartet zunimmt oder gar abnimmt.

Geringe Gewichtsabnahme von einem auf den anderen Tag ist in den ersten Lebenstagen zwar nicht unüblich, darf sich aber nicht über mehrere Tage erstrecken.

Die Augen und Ohren öffnen sich...

Nachdem die Kätzchen etwa 7-8 Tage alt sind, beginnen sich die Augen zu öffnen und nach wenigen Tagen blicken alle Kätzchen mit dunkelblauen Augen in die Welt. Die tatsächliche Augenfarbe Ihres Kätzchens entwickelt sich später, sie ist erst ab der 12. Lebenswoche erkennbar.

 

Etwa zur gleichen Zeit, öffnen sich die Öhrchen der Kitten. Weitere 14 Tage wird es dauern, bis die Hörfähigkeit voll ausgeprägt ist.

 

Ab dem 15. Tag beginnen die Kitten richtig zu krabbeln und auch schon langsam zu laufen. Zunächst zwar noch etwas wackelig, aber mit jedem weiteren Tag bekommen sie mehr Übung und nach ca. 23 Tagen können sie es bereits überraschend gut.

Erziehung zur Reinlichkeit

Spätestens jetzt sollte man ganz in der Nähe des Schlafkorbes nach Möglichkeit mehrere kleine Katzenklos aufstellen, die ca. 4 - 6 cm hoch mit Katzenstreu befüllt sind.

Nehmen Sie als Katzenklo eine Plastikschüssel mit einem mittel hohen Rand. Das Kätzchen soll mühelos hinein steigen und noch gut darüber hinwegblicken können. Die Schüssel muss fest auf dem Boden stehen. Wenn sie wackelt, bekommen kleine Kätzchen Angst und sie meiden dann den Ort.

Der Fachhandel bietet Toiletten speziell für Katzenbabys an.

Wenn das Kätzchen vom Schlaf erwacht oder nach dem Füttern sein Geschäftchen erledigen muss, darf der der Weg zur Katzentoilette nicht zu weit sein. Setzen Sie das Kätzchen nach dem Füttern in das Klatzenklo. Wiederholen Sie diesen Vorgang so lange bis das Kätzchen es von alleine aufsucht. Nach einem Erfolg wird das Katzenklo aber nicht gleich gesäubert, sondern es wird bis zum nächsten Mal gewartet. Dadurch entsteht eine "Geruchsbindung". Sollte dennoch ein Malheur passiert sein, werden die Ausscheidungen gründlich mit Essigwasser entfernt und auf die beschmutzte Stelle wird ein Katzenklo gestellt. Widmen Sie der Erziehung Ihrer Katze zu Stubenreinheit Ihre ganze Aufmerksamkeit, so ersparen Sie sich künftig viel Ärger und Verdruss.

 

Mit etwa 4 Wochen sollte damit begonnen werden, die Kätzchen an feste Nahrung zu gewöhnen. Zunächst kann man püriertes Katzenfutter anbieten.

Mit zunehmendem Alter kann man eine immer größer werdende Menge Katzenfutter untermischen, so dass die Kätzchen dann nach und nach hieran gewöhnt werden und kauen müssen.

 

Die Sinne der Kätzchen sind in einem Alter von etwa 6 bis 8 Wochen voll aus geprägt. Zwischenzeitlich können die "Katzenbabys" ihre Augen auch so weit koordinieren, dass sie in der Lage sind räumlich zu sehen. Das Spielverhalten der "Kleinen" ändert sich.

Ein weiterer nicht zu unterschätzender Faktor ist die Erziehung der Kleinen. Ein zu wildes und grobes Spiel kann durchaus vom Mensch als Mutterersatz mit einer kleinen Ohrfeige unterbrochen werden.

Ein Nuckeln an T-Shirts oder dergleichen sollte ebenfalls mit spätestens 10 Wochen konsequent unterbunden werden. Eine Mutterkatze geht auch nicht grade sanft mit den Kleinen um und dieser Abnabelungsprozess ist wichtig, damit sich die Kleinen zu selbständigen und sozialen Individuen entwickeln können.

  

Grundimmunisierung

Nachdem die Kleinen jetzt etwa 8-9 Wochen alt sind, wird es Zeit mit der Grundimmunisierung gegen Katzenschnupfen und Katzenseuche zu beginnen. Ein Tierarztbesuch steht daher auf dem Programm. Die Impfung muss dann nach weiteren 4 Wochen wiederholt werden.

 

Frühestens nach dieser zweiten Impfung, also ab einem Alter von etwa 12 Wochen, können die Kleinen selbständig ohne Mutter leben.