Türkei Einsatz 06/17


Sandra und Raphael zu Besuch bei ihren guten Freunden Beata, Mehmet und Mehmets Sohn Ersin. Gemeinsam verbrachten sie eine Woche zusammen vom 11.06.17 - 17.06.17, um die Tiere vor Ort medizinisch zu betreuen und zu pflegen.

Viele Tiere wurden wieder kastriert, ihre Verletzungen behandelt, wobei Sandra und Raphael gerne mit halfen.Sowie die Arbeit an dem neuen Zaun. Auch viele Sachspenden und Futter wurden aus Deutschland mitgebracht, um Beata`s Tieroase zu unterstützen.

Sonntag 11.06.17

Der Tag begann für uns (Sandra und Raphael) heute bereits morgens um 3 Uhr, die Nacht war somit kurz. Nach der Fahrt zum Flughafen, dem Einchecken und der Aufgabe von 35 kg Spenden wie Futter, Medizin, Spielzeug etc. ging es dann endlich los. Gegen 14 Uhr inkl. Zwischenlandung in Istanbul erreichten wir den Flughafen von Izmir, wo Beata und Mehmet uns schon freudig erwarteten. Zu unserem Glück gab es am Zoll keinerlei Probleme mit den medizinischen Spenden. Nach einer ewig langen Metro und Bus fahrt, kamen wir gegen 15.30 Uhr bei Beata Zuhause an.

Die Wiedersehensfreude auf unseren ganzen Schützlinge war groß, denn wir hatten uns 2.5 Jahre nicht mehr gesehen, auch viele neue Schützlinge die ich nur via Internet kannte durften wir real kennenlernen. Wir haben uns zusammen das neue Haus sowie den Garten, an dem wir in den nächsten Tagen die neue Mauer bauen wollen, angeschaut. Wir haben die Straßenkatzen besucht, gefüttert und auch Beatas Katzen einen Besuch abgestattet. Abends haben wir dann gemeinsam die Spenden ausgepackt und verteilt. Fix und Fertig von der Anreise und dem frühen Aufstehen war kein langes Abendprogramm mehr geplant. Es ging "früh" ins Bett – die nächsten Tage werden anstrengend genug.

Montag 12.06.17

Nach einer erholsamen ersten Nacht begannen wir den ersten richtigen Tag in der Türkei ganz entspannt mit unseren Freunden. Nach dem ersten Einkauf machten wir eine kurze Pause in einem Cafe – hier wurden wir dann von dem Erdbeben der Stärke 6,3 überrascht, dessen Epizentrum genau bei uns in Izmir lag. Die Erde zitterte, die Menschen liefen panisch auseinander und schrien aus leibes Kräften. Zum Glück hielt das Ganze nicht lange an, mach ca. 20 Sek. war alles wiedee vorbei. Jeder hat es anders wahrgenommen und andere Erinnerungen daran, aber eins steht fest, diese Naturgewalt und Hilflosigkeit vergisst man nie. Selbst in unseren träumen verfolgte es uns. Viele hatten aufgrund der Politischen Situation bedenken, das wir fliegen - wir nicht, naja und was passiert ? Ein Erdbeben eine Naturgewalt, die überall passieren kann. Dennoch saß der erste Schreck anfangs tief, alle Menschen telefonierten, so auch wir um unsere Familien Zuhause auf die abendlichen Nachrichten, die in Deutschland zu erwarten waren vorzubereiten. Viel Zeit zum Erholen blieb uns aber nicht – direkt ging es weiter zu einer Autovermietung, bei der wir uns ein Auto für die nächsten 2 Tage zwecks der 2 Kastrationstermine für Mittwoch und Donnerstag zu organisieren, da Mehmet und Beata kein Auto haben und wir möglichst viele Straßentiere kastrieren wollten in ihrem neuen Wohnort, war dies unumgänglich. Als nächste Station an dem Tag standen natürlich wieder die hungrigen Straßenkatzen an, die sehnsüchtig auf ihr Futter und frisches Wasser warteten. Danach haben wir noch soweit es ging die Katzen von Beata entfloht und entwurmt, bevor sich auch der erste ganze Tag dem Ende zuneigt.

Dienstag 13.06.17

Der Tag begann früh – zuerst mussten wir alle Boxen für die Kastrationen säubern, desinfizieren und vorbereiten. Dann ging es erneut zu unseren Straßenkatzen zur Fütterung, die uns wieder gierig erwarteten. Ein Projekt, welches uns vor Anreise bereits sehr am Herzen lag haben wir dann auch direkt begonnen: Der Zaun, welcher das Gelände der Katzen umgibt war voll mit Glasscherben – dies ist natürlich für Mensch und Tier nicht ungefährlich. Wir haben soweit wie möglich alle Scherben einbetoniert, den alten Drahgzaun und Stacheldraht abmontiert. Dies war allerdings sehr langwierig und schwierig, da kein gutes gewohntes Werkzeug vorhanden war und der Zaun sehr schwer war, vor allem auch, da er auf Kopfhöhe auf der Mauer fixiert war. Natürlich machten die Temperaturen es auch anstrengender und forderte mehrere Päuschen ein, bei über 30 Grad puren Sonnenschein. Als dies endlich erledigt war, machten wir uns daran das erste Stück mit dem neuen Drahtzaun einzuziehen. Abends dann konnten wir bereits mit dem Einfangen der Straßenkatzen und – hunde beginnen, welche am nächsten Morgen kastriert werden sollten. Auch dieser Tag flog quasi an uns vorbei und der Abend kam schneller als gedacht.

Mittwoch 14.06.17

Für uns einer der wichtigsten Tage unserer Reise: Um 9 Uhr hatten wir in der Stadtklinik unsere Kastrationstermine. Die ganze „Aktion“ hat bis 12 Uhr gedauert. Wir konnten 4 Kater, 4 Katzen, sowie 2 Hündinnen erfolgreich kastrieren lassen!! Während der Wartezeit haben wir den Fehler gemacht und sind an den Gehegen schauen gegangen, wo die Straßentiere untergebracht sind. Wir haben viele kranke Katzen beobachten müssen, direkt ins Auge fielen einen 2 Kitten, die beide ein verkrüpeltes Vorderpfötchen hatten sowie kaputte Augen durch Katzenschnupfen, ebenfalls weitere Kitten mit hochgradigen Katzenschnupfen, 2 Kater mit nur 3 Beinen, das schlimmste jedoch ein ganzer Wurf Kitten ca. 2 Tage alt ohne Mutter im Käfig auf einen Karton, eines davon war bereits am krampfen im Todeskampf, das Beinchen war nur nackter knochen und die Fliegen saßen bereits dran, ebenso ein Kater dessen Hinterbein nur noch wie Wackelpudding an ihm hing, alles voller Blut und komplett offen. Wir hatten den Pflegern Bescheid gegeben und kurz darauf sind sie mit einem Tablett voller Spritzen zu den Gehegen gegangen. Viele dieser Katzen wurden von der Straße geholt oder von Leuten vorbei gebracht. Sogar Kinder kamen an dem Tag mit einer kranken Katze, ein Pfleger erzählteN das sie sehr oft mit verletzten oder kranken Straßentiere kommen.Teilweise wirklich kein schöner Anblick und hart zu sehen, da man nicht helfen kann. Eine Hündin lebt ebenfalls an der Klinik – früher wurde sie als Gebährmaschine missbraucht, nun ist sie kastriert sowie geimpft und lebt als Straßenhund am Klinikgelände. Im Gegensatz zu deutschen Verhältnissen wirklich schwer vorstellbar, wie das Leben der Straßenhunde hier ist, Katzen kennen wir ja ein ähnliches Verhältnis, zwar nicht in der Anzahl aber Zustandsbedingt schon.

Später haben wir alle Boxen gereinigt und die Tiere in den Boxen in trockene und saubere Boxen umgesetzt (viele der Tiere haben aufgrund der Narkose erbrochen oder sich eingenässt). In der Stadtklinik muss man die Tiere noch während der Narkose wieder nach Hause fahren und die Atmung und alles andere selbst kontrollieren. Aufgrund der Mittagssonne und fehlendem Material konnten wir am Zaun nicht weiter machen.

Gegen Abend sind wir zu Fadma gefahren, ebenfalls eine Tierfreundin, die viele Tiere versorgt. Wir sind gemeinsam an Meer gefahren um dort spazieren zu gehen und etwas zu trinken. Beata und Mehmet wollten diese Zeit auch mal nutzen um auch Zeit mut uns zu verbringen, denn wir hatten uns immerhin 2.5 Jahre nicht mehr gesehen. Später haben wir bei Fadma ebenfalls Katzen gefangen für die morgigen Kastrationen. Fadma ist bereits 76 Jahre alt und kann nicht mehr mit den ganzen Tieren selbständig per Metro bis zur Stadtklinik fahren, weshalb wir ihr dabei halfen. Auch heute ging wieder ein aufregender und anstrengender Tag mit positiven aber auch negativen Erfahrungen (die Streunertiere in der Stadtklinik) zu Ende.

Donnerstag 15.06.17

Auch heute hatten wir uns viel vorgenommen: 6 Kater und 1 Katze konnten wir in der früh wieder kastrieren lassen. Doch ein Kater und die große Hündin, die wir am Vortag kastriert hatten, machten uns Sorgen. Beide hatten leicht erhöhte Temperatur und wollten nicht fressen. Hier wurde die Kontrolle und Versorgung dann noch engmaschiger geführt. Da die große Hündin läufig war, gab es während der Op Komplikationen, so hat die Narkose nicht richtig gesessen, sodass die arme Maus alles gemerkt hat, wir hörten ihr Gejaule bis ins Wartezimmer, es wurde Narkosemittel nachgespritzt, was wie wir vermuten das Fieber etc. verursachte, da selbst Wasser sie nicht bei sich behalten konnte. ( Alle Tiere werden bei der Kastration gechippt, entwurmt, geimpft und erhalten ein Antibiotika gespritzt) Am weiteren Tag wurden die Katzen weiter entfloht und entwurmt von Beata.

Auch konnten wir den Zaun weiterbauen, da Mehmet weiteres Matrial besorgt hatte. Wir haben Eisenstangen, die den Zaun halten sollten angebtacht und einbetoniert, somit mussten wir für den Tag aufhören, da der Beton richtig trocknen musste. Viel Zeit bleibt uns nicht mehr, bevor wir am Samstag wieder nach Deutschland aufbrechen.

Den Abend verbrachten wir damit im Salon, in dem im heißen Sommer die Tiere auch rein dürfen endlich Moskitonetze anzubringen ebenso musste noch die Klimaanlage eingebaut und angeschlossen werden für den Salon, wobei wir auch Mehmet zur Hand gingen. Spät abends entließen wir die Streunerkatzen die am Mittwoch gefangen wurden wieder in ihre Gebiete. Wir sind soweit zufrieden mit unserer Arbeit bisher – auch wenn alles sehr anstrengend ist bei den schon richtig Sommerlichen Temperaturen.

Freitag 16.06.17

Unsere Nacht war sehr unruhig, weil die frisch kastrierten Hunde dauernd bellten. Wir dachten, dass sie nur von Hof wollten, aber da die Hündin heiß war und ihr Gesundheitszustand erstmal besser werden musste, musste sie und ihre Tochter länger im Katzenhaus bleiben. Doch Morgens als wir aufstanden dann plötzlich der Schock, 2 Streuner standen im Garten, die zur heißen Hündin wollten - sofort wurden sie von uns verjagt.

Nach dem Frühstück haben wir uns direkt wieder um den Zaun gekümmert und die undichten Stellen gesucht und abgedichtet, an denen die Streuner-Hunde rein konnten zumindest wo wir es vermuteten, was sehr schwierig war, denn das Grundstück ist Ring herum mit hohen Betonmauern umgeben. 

Mittags kam aber dann doch wieder einer der fremden Hunde rein, den Beatas Hund aber mit Gebell verjagen konnte. So zog sich der ganze Tag entlang, immer wieder suchten wir offene Stellen und besserten diese aus.

Gegen Abend als es kühler wurde, der Schock wieder Riesen Hunde um Garten, die zur Hündin wollten. Wir konnten es uns nicht erklären, wir hatten gedacht alles sicher gemacht zu haben. Den Zaun haben wir leider nicht komplett fertig geschafft, weil es ein zu großes Grundstück ist und uns die Materialien ausgingen. Die Hauptstellen von außen haben wir aber abends, nachdem nochmal ein Hund den Weg in den Garten fand, weiter eingezäunt - sogar auch ein Stück, das eigentlich nicht mehr zum Garten gehörte - aber die Sicherheit geht vor.

Die kastrierten Katzen wurden wieder in ihre Gebiete zurück gebracht und dort frei gelassen und anschließend die Boxen gereinigt. Danach haben wir noch die Straßenkatzen versorgt.

Nachts jedoch ging es dann richtig rund, plötzlich kam 3 Hunde wieder zu uns zur Terasse auf dem Weg zur Hündin, dies hatten wir vereits aus Sicherheitsgründen mit ihrer Tochter in einen großen Gutterkäfig gesperrt, die Tür zum Katzenhaus konnten und wollten wir nicht schließen, (damit die Hunde nicht in die Nähe Können ) da es dann wie ein Backofen gewesen wäre.

Wir waren nun nur noch zu dritt Mehmet war schon los zur Nachtschicht und wir suchten im dunklen geäst und Gebüschen nach den Hunden um sie zu verjagen. 3 Hunde sahen wir über die hohen Betonmauern runter springen vom Grundstück. Sofort eilten wir zu dieser Stelle und schauten sie uns genauer an, der alte Drahtzaun war runtergebogen an dieser Stelle, Gott sei Dank konnte man mit viel Kraft diesen wieder hochziehen und fixieren, somit sollte diese Stelle sicher sein, wir machten uns weiter durch das Geäst, wobei uns die unvorsichtigen Katzen die die Gefahr die von Streunern ausgingen nicht kannten begleiteten (im alten Zuhause, taten die streuner die Beata versorgte den Katzen nichts, da sie mit ihnen aufgewachsen waren) immer wieder erschreckten sie uns mit ihren reflektierenden Augen im Schein der Taschenlampe, ebenso die Geräusche, wir waren sicher das alle 3 Hunde abgehauen waren. Dann der Schock plötzlich sprangen direkt neben uns versteckt im hohen Gebüsch 2 weitere Hunde raus, die nur gewartet hatten das es wieder ruhiger wird. Und wir hatten zuvor die ganze Zeit neben ihnen am Zaun gewerkelt. Geistesgegenwärtig klatschten wir und machten Radau, um sie zu vetreiben, sie liefen zur linken Mauerseite, zu der wir uns grade hinarbeiten wollten und verschwanden darüber leider mit einem schmerzhaften jaulen, da es sehr hoch nach unten zur Straße runter war. Wir sicherten nun fix die letzte Stelle aus mit riesen Ästen, um auch hier kein Eindringen mehr zu ermöglichen. Oben auf Terasse angelangt, wollten wir kurz verschnaufen, bevor es Richtung Bett ging, denn nun waren wir wirklich sicher alles Hundesicher gemacht zu haben. Doch wir sollten uns täuschen keine halbste Stunde später marschierten die nächsten Hunde wieder rein. Wir könnten nichts mehr machen, wir haben die Türen zum Katzenhaus mit Draht fixiert um nur noch den Katzen einen Eintritt zu gewährleisten, aber natürlich waren auch sie Streuner gefährlich für unsere Katzen, denn ein paar Kandidaten wie Kalina, Kadife, Julita etc. lieben Hunde uns blieb also nichts übrig als zu hoffen, das nichts passiert.

Die Nacht war natürlich eine Katastrophe und wir langen lange wach, denn wir wussten, das die Hunde immer noch auf dem Grundstück waren zwar nicht sichtbar und nicht am Haus aber unten auf dem Acker um zu warten, das es ruhiger wird. Gegen früh morgens schliefen wir endlich sehr unruhig ein.

Samstag 17.06.17

Am nächsten Morgen waren wir bereits vor dem Wecker wach, da wieder Geräusche zu hören waren. Wir eilten nach draußen und 5 Hunde verließen schnell das Grundstück. Zu unseren Erstaunen aber nicht mehr unten sondern nach links über den Zaun zum Nachbarsgrundstück, genau an dem Stück wo kein alter Drahtzaun ist. Die Betonmauer ist allerdings so hoch das wir sprachlos waren, das dort die Hunde drüber kamen und vorher ja auch noch den Nachbarsgarten passieren mussten.

Nachdem wir nun schnell noch Kaffee tranken, mussten wir auch bald los, die Hunde hatten uns wieder einiges an Zeit gekostet. Die Abstände allerdings wie sie kamen wurden kürzer, denn nachdem die Hündin wieder in die Box gesperrt wurde wegen dem Aufbruch zum Flughafen, erschienen die nächsten 2 Hunde wieder, unser Kater Max Größenwahsinnig wie er ist, sprang aus dem Gebüsch und patze Richtung Hunde um sie zu vertreiben, bei zweien half es auch, der dritte der plötzlich auftauchte allerdings blieb völlig unbeeindruckt, sofort sind wir wieder raus, diesesmal verschwanden die Hunde wieder unten am Grundstück über die Betonmauer weg.

Da es der Hündin schon wieder viel viel besser geht, warten wir nur noch ihre Hitze ab, bis sie wieder mit ihrer Tochter in Freiheit entlassen kann, jetzt wäre das Risiko einfach zu groß, das die Hunde sie dabei kaputt machen aufgrund der frischen Narben. Um 8:30 Uhr dann ging es wieder Richtung Flughafen, auf dessen Weg und Beata und Mehmet wie immer komplett begleiteten. Gegen 18 Uhr war dann unsere geplante Ankunft in der Heimat. Gegen 20 Uhr waren wir erledigt von der Reise und Strapazen der letzten Nacht Zuhause angekommen.

Es war eine ereignisreiche und nervenaufreibende Woche, die wir nun hinter und lassen. Bei all unseren Auslandseinsätzen in den letzten Jahren ( 4 x Türkei, 2 x Spanien) haben wir nie so viele zermürbende Erinnerungen mitgenommen.

Eure Sandra